Maßnahmen zur Ersten Hilfe im Labor

Sofortiges Handeln ist erforderlich! - Stets mit Begleitperson zum Arzt!

1. Verbrennungen
Bis auf kleine Verbrennungen I. oder II. Grades (Schnellverband!) gehören alle Verbrennungen in ärztliche Versorgung!
Hitzeeinwirkung unterbrechen
glimmende, heiße Kleidung entfernen
20 bis 60 min Kaltwasserbehandlung mit Pausen (bis zum III. Grad!)
locker, trocken, möglichst steril verbinden (sehr infektionsgefährdet)
viel (1 bis 2L) warme Getränke geben
Arzt/ Klinik
 
2. Verätzungen (Säure/ Laugen)
Haut
getränkte Kleidung sofort entfernen
betroffene Körperstellen unter fließendem Wasser 10 bis 15 min abspülen
Blasen oder Ätzschorf trocknen, möglichst steril verbinden
Arzt
 
Augen
sofort geöffnetes Auge (Lider spreizen) von innen nach außen 10 min; unter fließendem Wasser spülen (notfalls Milch oder Tee)
geschlossenes, gespültes Auge sauber (steril) verbinden
Augenarzt
 
Magen-Darm-Bereich
sofort Wasser, Tee oder Milch trinken lassen (0,5 bis 1,0L)
danach eventuell 2 Gläser Flüssigkeit trinken lassen:
- bei Säuren: MgO-Suspension (10%ig)
- bei Laugen: verdünnter Zitronensaft
Arzt/ Klinik (Substanzreste bzw. spontan Erbrochenes mitgeben)
 
Atemwege (Cl2, NO2, COCl2 u.ä.)
sofortiges Entfernen aus reizgashaltiger Atmosphäre (an Selbstschutz denken)
frische Luft, möglichst O2-Zufuhr, keine Überdruckbeatmung!
absolute Ruhe, Sprechverbot, warm halten
Arzt/ Klinik
Achtung: Wenig trinken lassen! Gefahr eines Lungenoedems!
 
3. Schnittverletzungen
Jede Wunde ist als infiziert zu betrachten!
nicht auswaschen, sichtbare Glassplitter in Umgebung abtupfen
möglichst steril verbinden
- kleine Wunden: Heftpflasterschnellverband
- große Wunden: Verbandspäckchen (notfalls sauberes Taschentuch)
möglichst Blutung durch festen Druckverband versorgen
Ruhigstellung
- Extremitäten in Binde
- große Bereiche: Flachlagerung
Arzt/ Klinik
 
Achtung! Keine Salben, Puder, Watte, Zellstoff!
Keine Korrekturen; aus Wunde Fremdkörper nicht entfernen!
Blutstillung: Nur straffer Druckverband (Verbandspäckchen, notfalls sauberes Taschentuch); eventuell mehrfach straff übereinander, bis Blutung steht.
Anlegen einer Blutsperre nur statthaft, wenn mehrfacher Druckverband nicht ausreicht oder schneller, großer Blutverlust (Gliedmaßenabriss o.ä) verhindert werden muss.
 
4. Vergiftungen
Substartreste sichern und mitbringen!
Zweiter Helfer ruft den Arzt!
 
Haut
benetzte Kleidung rasch entfernen
betroffene Körperstellen gründlich waschen
- Mund-, Augenschleimhaut: 10 bis 15 min unter fließendem Wasser
- Haut: 5 bis 10 min unter fließendem Wasser, besser mit Wasser und Seife
Arzt
 
Augen
siehe unter 2.
 
Magen-Darm-Bereich
Bei Phosphorsäureestern und Cyaniden schnellstens Antidotgabe durch den Arzt!
Erbrechen auslösen mit Salzwasser (nicht bei Bewusstseinstrübung, Verätzungen, organischen Lösungsmitteln!):
mit Pausen insgesamt ca. 1L warmes Salzwasser schnell trinken lassen (1 Eßlöffel NaCl/ Teeglas = 200ml), nach je 2 Glas Rachenhinterwand reizem (Finger/ Löffelstiel) und erbrechen lassen; solange wiederholen, bis klare Flüssigkeit erbrochen wird
zuletzt Aktivkohle- (20 bis 30g) und MgO-Suspension (30g) trinken lassen (bzw. bei organischen Lösungsmitteln 200ml Paraffinöl)
stabile Seitenlage einnehmen lassen (sonst Aspirationsgefahr!)
vor Wärmeverlust schützen
bei Atemstörungen: künstliche Beatmung (bei HCN-, P-Ester keine Mund-zu-Mund-Beatmung!)
Klinik (liegend)
 
Atemwege (CO, H2S, HCN u.a.)
An Schutz des Retters (Gasmaske, O2-Gerät, notfalls Anseilen) und mögliche Explosionsgefahr (Telefon!) denken!
Entfernen aus giftiger Atmosphäre
frische Luft, möglichst O2-Überdruck-Beatmung (bei HCN sofort Pentylnitrit (Amylnitrit) eiatmen lassen!)
absolute Ruhe, stabile Seitenlage, warm halten
Klinik (liegend)
 

 

© 2001-2005 [Chempage.de] – Michael Müller – michael.mueller@rwth-aachen.de http://www.chempage.de

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